Leben ohne Schule

Für uns seit ein paar Tagen Realität. Letzten Freitag kam die letzte Schulabmeldung vom Schulamt und wir sind zumindest für das Laufenden Schuljahr befreit. Wie sich das anfühlt? Ganz ganz toll. Wir leben einfach so nach unserem Rhythmus und gehen Dingen nach die uns Spaß machen. Ein Besuch im Wald lehrt uns Biologie, wir schnappen uns ein Buch und suchen und bestimmen Pflanzen. Lernen das selbstbestimmt ist und Freude macht und wenn am Ende noch ein Teil davon im Smoothie landet, dann wird das Ganze so richtig schön lebensnah. Geografie lernen wir gerade über unsere Reisevorbereitungen und ganz nebenbei lernen wir noch wie  so ein Flugzeug eigentlich funktioniert. Toll, oder? Wir lernen eigentlich immer und überall und all die Erfahrungen die wir selber machen, bleiben auch in unseren Erinnerungen, ganz im Gegenteil zu aufgezwungenem Faktenwissen.

Schon lange haderten und überlegten wir, wie wir uns das leidige Thema Schule vom Hals schaffen könnten. Ich habe ich im Studium ja viel mit dem Thema Lernen beschäftigt, ja sogar eine Hausarbeit und eine Abschlussarbeit dazu verfasst. Und wirklich alles was ich da gelernt habe, spricht gegen die Lernmethoden in der Schule. Nun hatten wir schon das Glück eine etwas alternative Schule zu haben, die zumindest mit Wochenplänen und Montessori arbeitet, aber am Ende ist das Kind dann natürlich trotzdem immer gezwungen seine Aufgaben zu erfüllen. Bei Kind 3 war der Abfall an Lernmotivation besonders hoch. Sie war so wissbegierig und konnte schon vor Schulbeginn gut lesen und auch rechnen. Viele Bücher haben wir gelesen, seit 20min Lesen jeden Tag Pflicht geworden sind, hat das Kind kein Buch mehr in die Hand genommen :/ Hausaufgaben sind ein Graus und ohne „Druck“ meinerseits geht da nicht mehr viel und das ist eigentlich etwas das ich gar NICHT will.

Im September letzten Jahres sind wir mit Kind 4 ins Homeschooling gestartet. Wir waren dermaßen begeistert wie schnell Alessandro selbstständig lernte, dass wir uns schnell von dem Gedanken, ich muss ihn jetzt jeden Tag unterrichten befreien konnten. Wir hatten zwar alle Schulhefte besorgt und waren voll motiviert, dass er sie alle asusfüllt, aber auch davon sind wir schnell weggekommen, weil unter dem Zwang ganz schnell die Lernfreude abnahm.

Dennoch waren wir immer in der Zwickmühle, was wir tun sollen, da wir in Österreich ja für eine weitere Bewilligung des Häuslichen Unterrichts eine Prüfung am Ende des Schuljahres meistern müssen. Alessandro war ganz begeistert vom Geld und so haben wir den Zahlenraum der 1. Klasse ganz schnell verlassen und er hat so schnell rechnen können. Das Zuordnen von Mengen zu zahlen war auch ganz schnell erarbeitet. Mathe war also weniger ein Problem. In Deutsch verlor Alessandro aber schneller die Lust, da ihm die Schreibübungen einfach keine Freude machten. 2,5 Hefte haben wir von den 4 Heften die es gibt geschafft. Dann habe ich aufgegeben, vor allem auch meinen Perfektionismus, dass Alessandro bei der Prüfung sehr gut abschließt. Ich bin da wirklich sehr streng erzogen worden und ich muss mich da immer mal wieder gut reflektieren, dass ich da nicht in alte Muster verfalle.

Das Lesen hingegen ist sehr wichtig für ihn und immer wieder übt er einfach so im Alltag oder auch mal mit einem Geschwisterkind. Das ist immer ganz bezaubernd und er hat mich da echt überrascht. Nun liest das Kind flüssig auch ohne das wir nach den Schulheften jeden Buchstaben bearbeitet haben. Ich glaube zum Bestehen wird das Gelernte auf jeden Fall reichen. Wir müssen ja nun durch unsere Vietnamreise erst im September zur Prüfung und vielleicht gewinnt das Schreiben ja unterwegs (vielleicht eine Postkarte an Verwandte;-) ) ja an Bedeutung. In seinem momentanen Alltag ist das Schreiben einfach nicht wirklich wichtig. Aber ich vertraue da ganz auf ihn, er wird uns den Weg schon zeigen.

Ich bin auch ganz gespannt, wie das Lernen weiterhin laufen wird und ob die größeren Kinder irgendein Interesse an Schulstoff zeigen werden. Ich werde auf jeden Fall berichten.

Liebe Grüße

Sissy

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.