Darf man heute noch Hausfrau sein?

Diese Frage stellt die liebe Sonja in ihrer Blogparadeund hier gibt es meinen Beitrag dazu:

Als Mutter von 6 Kindern und Hausfrau kann ich nur berichten, dass ich eher weniger Probleme damit habe schief angeschaut zu werden, wenn ich sage, dass ich nur Hausfrau bin. Lange Zeit war ich nebenbei ja auch noch Studentin und das rief dann eher Erstaunen hervor, da mein Mann oft außer Haus ist und ich auch keine Familie in der Nähe habe.  Mit 6 Kindern und dem kleinsten Kind, dass gerade 1 Jahr ist, scheint das also  in Ordnung zu sein keiner Tätigkeit nachzugehen.

Prinzipiell habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich egal ist, was und wie du es machst, es wird immer genügend Menschen und auch andere Mütter geben, die deinen Weg kritisieren. Also kannst du nur verlieren, oder auch gewinnen, wenn du dich einfach frei machst von den Meinungen der anderen und hinter dem stehst was du möchtest.

Nun bin ich persönlich dennoch der Meinung, dass eine Mama die ersten Jahre auf jeden Fall zu ihrem Kind gehört und finde die Entwicklungen, dass immer mehr Mütter immer früher ihre Kinder fremdbetreuen lassen eher weniger gut. Die ersten Jahre sind einfach enorm wichtig für die spätere Entwicklung und eine gesunde Bindung und eine Kinderkrippe kann den Bedürfnissen eines Kleinkindes bis auf wenige Ausnahmen nicht gerecht werden. Aus Sicht meines Studiums habe ich gelernt, das die frühe Fremdbetreuung zwar nicht zwangsläufig schadet, sie aber wohl das Risiko für psyschiche Schäden erhöht. Dies gilt natürlich nicht für qualitativ hochwertige Betreuung, die eine Bindung ermöglicht. Es gibt aber keinen Beleg dafür, dass Kleinkinder unter 3 Jahren von einem Krippenbesuch profitieren. Klar unsere Gesellschaft und der Staat wollen uns Frauen lieber im Job sehen, so können die Kinder schnell nach ihrem Vorbild und systemdienlich erzogen werden und wir Frauen bringen mehr Steuern und haben weniger Zeit das System zu hinterfragen. Aber tut das denn Müttern und den Kindern wirklich gut? Ich finde nicht. Ich habe die letzten 11 Jahre zu Hause verbracht – als Mutter und als (Fern-)Studentin – und ich würde es wieder so machen.

Ist man als Hausfrau weniger wert?

„Du bist nur Hausfrau und lässt dich von deinem Mann finanzieren?“ wer kennt diese oder ähnliche degradierend anmutende Fragen nicht im Zusammenhang mit der Frage um das Hausfrauendasein? In unserem Fall verdient der Papa das Familieneinkommen, aber ich bin deswegen nicht weniger wert und ich fühle mich auch nicht „ausgehalten“, denn ich verfüge über UNSER Geld genau so wie er. Schließlich halte ich ihm für seine Karriere den Rücken frei und würde ich darauf bestehen auch zu arbeiten, dann müsste er ordentlich zurückstecken. Wir haben uns also auf dieses Modell geeinigt, weil wir BEIDE wollen, dass unsere Kinder zu Hause immer einen Ansprechpartner haben. Und da ich nun mal stille, ist der Part zu Hause der meine. Und der ist sicher nicht leichter als der meines Mannes. Für ihn gibt es Feierabend, Urlaub, Krankenschein, freie Tage – für mich gibt es nichts dergleichen. Jede Mutter weis, ein Kind ist ein 24h Job und mit 6 Kindern wäre er auch ein 30h Job, wenn der Tag 30 h hätte. Kochen, Putzen, Waschen, Einaufen, Rasenmähen, Unkraut jähten, Kuchen für Basare backen, Taxifahrten…..eine endlose Liste an Dingen die täglich erledigt werden wollen, neben der eigentlichen Betreuung der Kinder sind in meinen Augen nicht weniger wert. Einer arbeitet – einer bleibt zu Hause ist ein Modell auf das man sich als Paar geeinigt hat und beide tragen alle damit verbundenen Vor- und Nachteile gemeinsam. Mit fauler Hausmutti hat das rein gar nichts zu tun.

Bin ich glücklich als Hausfrau?

Diese Frage ist für mich persönlich schwierig. Manchmal fehlt mir ein wenig Raum für mich. Ein Anspruch der ein Job mit sich bringt, mal eine andere Herausforderung als immer „nur“ Kinder. Als ich für mein Studium allerdings ein Prakikum machte und Vollzeit aus dem Haus war, wurde mir schnell klar, das geht gar nicht. So habe ich mich mit meiner Rolle zu Hause zu hause noch mehr angefreundet. Ich weis einfach das es so besser läuft und bin gerne bereit noch ein paar Jahre so weiter zu machen und meine berufliche Selbstverwirklichung hinten an zu stellen zum Wohle meiner Kinder. Schließlich gibt es soviele tolle Momente in meinem Leben, so viel Liebe von den Kindern und ich bin einfach bei allem nah dabei und sehe wie gut das den Kindern tut.  Hätte ich eine Oma oder eine tolle Babysittern zur Verfügung würde ich auch gern mal en paar Stunden die Woche drauf zurückgreifen – das gebe ich zu. Halbtags arbeiten oder von zu Hause aus ist auf jeden Fall ein Ziel das ich gern verwirklichen möchte.

Wenn der Mann mich verlässt….

davor und der damit einhergehenden finanziellen Situation haben viele Angst. Ich allerdings weniger, weil ich tatsächlich nicht davon ausgehe. Mir bleiben dann  immerhin das Haus, mein Auto und mein Studienabschluss. Derzeit bin ich noch in Karenz und für den Fall der Fälle muss dann eine Lösung her und ich bin sicher, dass sich die dann auch finden lässt – und dann vermutlich auch nicht mehr als Hausfrau. Ich gehe eher positiv an die Sachen und stecke nicht den Kopf schon vorher in den Sand. Und mein Kind mit 1 Jahr in eine Krippe stecken – nur weil mein Mann mich vielleicht verlassen könnte? So möchte ich mein/unser Leben nicht planen. Langfristig zu planen ist heute sowieso nur noch bedingt möglich, ob ich mal Rente bekomme ist auch mehr als fraglich – daher versuchen wir immer aus der aktuellen Situation das Beste zu machen und auch im Moment zu leben.

Ich weiß, dass wir priviligiert sind uns zu entscheiden wie wir das mit dem Arbeiten und Daheimbleiben arrangieren wollen und auch das diese Freiheit nicht jeder Familie offensteht. Für den Fall der Trennung sollte auch dringend der Staat etwas für die Alleinerziehenden tun, denn für sie ist die Situation wirklich oft sehr bescheiden. Hier gehört dringend eine Steuerentlastung her und wie ich finde sollten auch die Unterhaltspflichtigen stärker in die Pflicht genommen werden und der Unterhalt gehört bezahlt. Das es hier soo viele Schlupflöcher gibt, finde ich unverantwortlich und ein Problem das dringend geregelt gehört. Solche Überlegungen finde ich viel sinnvoller als immer frühere und längere Fremdbetreuung oder die Degradierung der Hausfrauen.

Also das Hausfrauendasein hat für mich in jedem Fall eine Berechtigung! Kinder großzuziehen ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft und jede Frau die sich dieser Aufgabe voll und ganz widmen will, verdient  Respekt und Anerkennung. Vielleicht sollten wir schon beim Namen anfangen und den negativ besetzten Begriff durch einen neuen ersetzen, mit Familienmanagerin zum Beispiel, trifft den Aufgabenpool doch viel besser. (beim Hausmeister hat das ja auch geklappt 😉 )Am Ende muss und sollte auch jede Frau/Familie die Wahl haben wie sie leben will.

 Liebe Grüße

Sissy

4 Gedanken zu „Darf man heute noch Hausfrau sein?

  • Juni 30, 2016 um 6:36 am
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    Danke für diesen spannenden Beitrag. Ich glaube, Du würdest umgekehrt eher schief angeschaut werden, wenn Du mit 6 Kindern Vollzeit arbeiten gehen würdest. Eure Situation ist wirklich ganz besonders und Du warst in meinen Augen nie die klassische Hausfrau.

    Du hast mich inspiert, an der Blogparade doch noch teilzunehmen 🙂

    Viele Grüße
    Deine uralte Freundin von ganz früher mal

    Antwort
  • Juni 30, 2016 um 9:24 am
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    Hallo Sissy!

    Es freut mich, dass du an meiner Blogparade teilgenommen hast!

    Danke für deinen Beitrag dazu!

    Liebe Grüße

    Sonja

    Antwort
  • September 18, 2017 um 3:27 pm
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    Leider muss man sich in der heutigen Zeit dafür rechtfertigen, wenn man gern Hausfrau sein will. Auf der einen Seite bekommt man nicht dasselbe Gehalt für dieselbe Arbeite wie ein Mann und auf der anderen Seite darf man nicht sagen: Ich möchte gern für meine Kinder da sein und ihnen helfen, sich zu entfalten. Ich möchte Kochen, backen und Stricken! Ich selbst musste mich für meine Leidenschaft immer rechtfertigen (bis ich jetzt mit meinem Shop und Atelier Zitron die Berechtigung gefunden habe, die mich vor den nervigen Fragen schützt). Das kann eigentlich nicht die Regel sein, aber in der heutigen Zeit sind wir Frauen leider gezwungen, uns auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu behaupten. und wenn es nur durch Zitron Trekking Socken ist.

    Liebe Grüße! Bleib stark und wie du bist!

    Antwort

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