Unser Leben ohne Schule/ Kindergarten

Leben im Hier und Jetzt.

Hört sich irgendwie einfach an, ist es aber gar nicht. Zumindest kam mir das bis vor einiger Zeit noch so vor, als wir gestresst und völlig fremdbestimmt durch die Woche hasteten und irgendwie immer auf das viel zu kurze Wochenende warteten. Seit die Kinder nicht mehr in die Schule gehen und auch keinen Kindergarten mehr besuchen ist das Leben im Hier und Jetzt gar nicht mehr so schwer. Gerade auch in der Großfamilie in der so so viele Bedürfnisse aufeinandertreffen, lässt sich alles jetzt viel leichter machen und den Bedürfnissen viel leichter gerecht werden, weil wir nicht mehr so viel auf später verschieben müssen. Es gibt jetzt so viele Momente in denen ich einfach nur geniesen kann und weder an gestern noch an morgen denken muss. Slow Family -so heißt das Zauberwort oder auch Entschleunigung des Alltags- genau das ist es was wir jetzt leben. Es ist neulich auch ein Buch dazu erschienen. Eine Freundin meinte, ich bräucht das zwar nicht mehr, aber vielleicht ist es ja für jemanden von euch eine Anregung, denn ich habe im Freundeskreis nur positive Rückmeldungen dazu bekommen und wenn ich nicht schon so viele Bücher hätte, würde ich es mir auch noch kaufen: Slow-Family

Selbstbestimmtes Schlafen

Das selbstbestimmte Schlafen funktioniert bei uns auch super. Die Kinder sind seither ausgeglichener als früher, als ich sie immer viel zu früh aus dem Bett scheuchen musste. Auch ich bin ja eher keine Frühaufstehen und mir tut diese Stunde mehr Schlaf am Morgen richtig gut und ich gehe so viel entspannter durch den Tag. Oft höre ich Zweifel oder Sätze wie „meine Kinder würden nie freiwillig ins Bett gehen“. Ist das wirklich so? Ich kann nur für uns sprechen und sagen: Jedes Kind wird einmal müde und wenn das Bett ein Ort ist wo es sich wohlfühlt, dann wird es auch gern dahin gehen zum schlafen. Meine 3 großen Kinder gehen ganz selbstständig, bei den mittleren 2 Jungs (5 und 7) frage ich ob sie nicht müde sind und das wird dann mit Ja beantwortet und dann bringe ich sie ins Bett. Sie würden auch ganz allein gehen, aber ich habe die Erfahrung gemacht das es mit der Frage einfach besser klappt. Elena geht witzigerweise auch allein. Sie nimmt dann immer meine Hand und sagt DEI DEI und möchte, dass ich sie dann hoch ins Bett bringe. Meistens sind alle dann zwischen 21-21:30 im Bett und schlafen dann bis 8:00 Uhr.

Gemeinsamkeit

Auch die Hausarbeit erledigt sich ziemlich gut, eigentlich noch viel besser als vorher. Hatte ich sonst am Vormittag nur das kleinste Mädchen zu Hause, die dann natürlich nur auf mich fokussiert war, bin ich nicht wirklich zu viel gekommen.  Jetzt hat sie große Freude daran den Geschwistern zuzuschaun und so kann ich ganz bequem immer mal etwas erledigen. Durch die vielen Fahrten die wegfallen, können wir uns einfach viel mehr Zeit für alles nehmen und auch die Konkurrenz unter den Kindern hat deutlich abgenommen. Auch am gemeinsamen Kochen haben die Kinder großen Spaß und helfen gerne mit. Gerade auch der Große möchte mittlerweile sogar ab und zu schon allein kochen und das macht er richtig gut. Direkte Pflichten oder Aufgabenpläne gibt es bei uns auch nicht. Es findet sich eigentlich immer jemand der mir hier und da zur Hand geht.

Vertrauen

Ich bin wirklich sehr glücklich, wenn ich sehe wie die Kinder wieder richtig aufblühen und ihr eigenen Träume und Ideen verfolgen. Wie sie wieder stundenlang spielen und völlig in einer Tätigkeit aufgehen können. Auch der große Sohn ist ein völlig anderer (oder besser gesagt wieder er selber) geworden. Waren da vor einem Jahr noch ganz viel Wut, Verzweiflung und Angst, dann sehe ich jetzt wieder ein Kind was mit sich im Reinen ist…allerdings nach wie vor mit strikter Ablehnung gegen das schulische Lernen. Während die anderen Kinder ihre Schulbücher immer mal zur Hand nehmen um darin etwas zu machen, würde Leonardo das nicht im Traum einfallen. Allerdings nutzt er mittlerweile das Internet um Themen nachzuforschen die ihn interessieren. Auch You Tube Viedeos konnten ihm die Freunde an Mathematik in Ansätzen wieder nahe bringen. Aber hier ist noch ganz viel Geduld notwendig, aber die ersten Schritte sind gemacht und diese absolute Verweigerung löst sich langsam auf. Sobald manche Dinge für ihn wichtig werden, bin ich mir sicher das er auch einen Zugang  finden wird. Es zeigt sich auch hier, dass unser Vertrauen in die Kinder das größte Geschenk ist was wir ihnen machen können. Sie gehen ihren Weg und wir werden sie dabei begleiten.

Raus in die Natur

Auch dafür haben wir wieder viel mehr Zeit und wir verbringen wirklich viel Zeit im Wald oder auch am Inn, da werden dann Burgen und Höhlen gebaut, Tannzapfen oder Moos gesammelt, im Bach geplanscht, Pilze gesucht, Picknick gemacht, Tee aus Thermoskannen getrunken. Egal wie schlecht die Stimmung manchmal ist, nach einem Besuch draußen sind alle wieder geerdet und zufrieden. Auch Elena stapft wirklich gern über den weichen Waldboden und wer braucht schon Kinder oder Kleinkindturnen? Im Wald kann man seine Motorik auch ganz wunderbar trainieren. Es ist immer ganz wunderbar die kleine Maus zu beobachten wie sie den Großen nacheineifert und wie selbstbewusst sie über Äste und Baumstümpfe klettert. Ihr Körperbewusstsein erstaunt mich immer wieder und es ist schön die Kinder einfach Kinder sein zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine schöne Woche. Wir bekommen morgen Besuch von der Oma und da stehen dann einige Sachen auf dem Plan.

Liebe Grüße

Sissy

4 Gedanken zu „Unser Leben ohne Schule/ Kindergarten

  • November 16, 2016 um 9:09 am
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    Das liest sich gut und ich kann das schon auch nachvollziehen, aber das ist nicht das Leben . Es kommt so oder so wieder auf euch zurück . Irgendwie müssen die Kinder beschult werden. Ob nun von euch selbst oder im System. Irgendwie muss das Geld verdient werden und so weiter.

    Ich wünsche euch das Beste, aber für mich ist es eine Flucht vor der Realität. Wir müssen als Familie einen guten Kompromiss finden,indem die Bedürfnisse des einzelnen nicht untergehen , in welchen wir aber auch das Leben nicht ausschließen.

    Viele Grüße

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  • November 18, 2016 um 8:03 pm
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    Wieso ist das nicht das Leben? Wer sagt denn was das Leben ist? Ist systemdienlich zu leben ,denn mehr Leben als das was wir machen? Unsere Kinder lernen andere Länder und Kulturen kennen, beschäftigen sich trotzdem auch mit Sachen die in der Schule gelehrt werden und auch wir verdienen Geld fernab dessen was in Deutschland vielleicht üblich ist. Schau mal in andere Länder und Kulturen, da bedeutet Leben auch etwas ganz anderes als unser System uns vorgibt . Als Flucht vor der Realität würde ich unseren Weg daher nicht bezeichnen, sondern einfach als eine Gestaltungsmöglichkeit die wir uns selber aussuchen und unseren Bedürfnissen anpassen. Wir lernen anders, nach der Hirnforschung und neuen Erkenntnissen sogar nachhaltiger. Jeder Schulabschluss lässt sich nachholen und falls ein Kind das möchte, wird es auch die Motivation haben diesen zu machen und könnte so jederzeit ins System zurück, falls das in 10 Jahren überhaupt noch so existiert. Das unser Schulsystem weit überholt ist, ist keine Geheimnis und Geld lässt sich auch verdienen ohne 9-5 Job. Manchmal muss man einfach mutig sein und über den Tellerrand schauen, denn nur weil etwas als „normal“ angesehen wird, heißt es nicht das es auch gut und richtig ist. Kompromisse finden müssen wir als Familie dennoch, das bleibt auch bei unserem Weg nicht aus. Und etwas als falsch zu bezeichnen, nur weil man es nicht kennt, finde ich kurzsichtig.
    Lg
    Sissy

    Antwort
  • März 6, 2017 um 6:33 am
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    Liebe Sissy, ich finde das hört sich wunderbar an! Unsere Krümel 1,5 u 3,5 sind auch noch Zuhause und ich kann mir kaum vorstellen wie sie wären, wenn ich sie in einen festen Alltagstrott pressen würde. Kennst du bei Instagram „die matheforscher“? Ich sehe da ab und an tolle Anregungen für Mathematikerfahrungen im Alltag… Vielleicht wäre das was für euch. Liebe Grüße und genießt euren Weg weiterhin! 🙂

    Antwort
    • August 30, 2017 um 7:06 pm
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      Danke für die tolle Anregung. Ich werde dann gleich mal bei Insta suchen 😀 Alles Gute auch für euch!

      Antwort

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