Kein richtiges Leben?

Vor einiger Zeit las ich unter einen meiner Posts einen Satz, der mir irgendwie nicht aus dem Kopf geht und über den ich ziemlich viel nachgedacht habe. Und zwar ging es darum, dass unser Leben kein richtiges Leben ist und am Ende vielleicht sogar eine Flucht….Ich kann das allerdings absolut nicht bestätigen, denn wir erleben und lernen so viele Sachen, von denen ich der Meinung bin, dass sie unsere Kinder viel besser auf eine Leben vorbereiten, als dass es die Schule leisten kann. Daher möchte ich heute ein paar Gedanken zu unserem Alltag und zum Thema Leben auf Reisen teilen.

DAS LEBEN AUF REISEN

fordert uns jeden Tag heraus, uns als Eltern, die Kinder und auch uns als Familie. Das Leben auf Reisen ist kein Urlaub wie wir es aus den 2-3 Wochen Urlaub im Jahr kennen, der eine absolute Ausnahme zu dem darstellt, was den sonstigen Alltag ausmacht. Auch auf Reisen etabliert sich natürlich ein Alltag, kein so strenger und unflexibler wie in Österreich, aber ein wenig Struktur entsteht meistens ganz von selber. Wir versuchen auch hier, lokal einzukaufen und vermeiden große Supermärkte. Die nutzen wir derzeit nur für 2-3 Lebensmittel, die wir sonst wirklich nicht bekommen können (Haferflocken, Datteln und Nüsse). Auch Yoga hat hier einen festen Platz bekommen, was mich ganz besonders freut. Paolo und Giuliana begleiten mich immer dazu und ich freu mich jedes Mal das sie das jetzt nochmal mehr für sich entdeckt haben. Wenn man sich für ein Reiseleben entscheidet, entscheidet man sich für ein Leben mit den Kindern und zwar 24h 7 Tage die Woche. Das heißt auch, dass man persönliche Freizeit nochmal mehr zurückstellt. Zu Hause hat mich sich alles so eingerichtet, dass die Kinder einfach auch mal gut einige Zeit allein spielen und werkeln können und man mal etwas Zeit für sich hat, das ist auf Reisen oft nicht so, da muss man einfach viel mehr ein Auge auf sie haben und natürlich gestaltet man auch viel mehr einen Rahmen in dem die Kinder spielen und lernen können, weil man hier natürlich viel weniger Spielsachen und Lernmaterialen hat.  Durch diese Nähe zu den Kindern vertieft man aber nochmal seine Beziehungen zu den Kindern. Stärken und Schwächen (wenn man das jetzt bei Kindern so nennen will), zeigen sich auch auf Reisen nochmal ganz anders und man bekommt viele neue Impulse in denen die Kinder einfach Begleitung und Unterstützung brauchen. Toll ist auf jeden Fall, dass man quasi dabei zusehen kann, wie auch die Kinder daran wachsen. Wie sie immer mutiger werden und auch so langsam anfangen sich für Sprachen zu interessieren. Hier müssen wir nur noch einen guten Weg des Lernens finden. Bisher nutzen wir dazu ein paar Apps und versuchen viele Wörter einfach im Alltag zu lernen. Was uns wirklich fehlt, sind einfach so Sachen wie die Musikschule oder die Sportvereine der Kinder. Das war immer etwas Schönes und Tolles und der einzige Wehmutstropfen.

Zeit für Ausflüge zu haben und die Natür und die verschiedenen Vegetationszonen hautnah erleben anstatt nur im Buch zu betrachten.

WAS IST DAS WIRKLICHE LEBEN?

Diese Definition ist natürlich entscheidend und darauf muss auch jeder seine eigene Antwort finden. Wir haben unsere ganz eigene gefunden : Ein Leben das zu 80% fremdbestimmt ist, in dem beide Eltern von 8-17:00 arbeiten und die Kinder so lange fremdbetreut sind (oder in unserem Fall – der Papa immer sehr viel weg war) – empfanden wir weniger als richtiges Leben, als unser Leben jetzt. Wir können uns jetzt etwas Eigenes schaffen, ein Leben das uns entspricht und durch das Reisen lernen wir so viele neue Dinge und Möglichkeiten kennen. Es gibt uns die Chance auszuprobieren wo und was und gefällt, was uns gut tut und was eben nicht. Wir lernen verschiedene Kulturen kennen und können durch unsere längeren Aufenthalte auch immer teilweise an der Kultur teilhaben bzw sie hautnah erfahren und diese Erfahrungen sind für uns so viel mehr wert als ein Buch zum Thema zu lesen. Wir übernehmen jetzt viel mehr Verantwortung für unsere Kinder, da wir die Bildung und Betreuung nicht einfach an jemanden anders abgeben, sondern einfach selber dafür sorgen. Und wenn das kein richtiges Leben ist, weiß ich auch nicht…Wir leben auch nicht mehr zwischen irgendwelchen Terminen oder in Vorfreue auf das Wochenende oder den Urlaub, indem man sich vornimmt mal abzuschalten, aber dann doch wieder liegengebliebene Sachen abarbeiten muss. Wir leben einfach JETZT und HEUTE und gestalten genau das, was für uns so vieles verändert hat. Wir haben einfach viel mehr Zeit für alles und dafür den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Viele Dinge die wir sonst aufschieben mussten, können wir einfach direkt angehen. Wir haben oft keinen Plan und folgen einfach unserer inneren Stimme und das beschwert uns oft wundervolle Momente und Begegnungen. Klar ist für uns auch geworden, das ein Dauerreiseleben nicht in Frage kommt und wir uns eine Homebase suchen werden von der aus man immer mal wieder eine längere Reise unternimmt.

Jeden Moment geniesen können – auch dass erleben wir ganz intensiv, ohne Termin- und ohne Zeitdruck

 

FLUCHT?

Zum Thema Flucht habe ich ehrlich gesagt lange überlegt und  ich kann ehrlich sagen, JA wir sind auf der Suche nach einem Weg der freien Bildung geflohen vor dem Schulzwang bzw dem Lehrplan. Durch die Tatsache, dass freie Bildung in Deutschland und Österreich so nicht machbar sind, haben wir uns überhaupt mit dem Thema Reisen auseinandergesetzt und sehen es als spannende Herausforderung, die uns jede Menge beibringt. Das ist allerdings schon das Einzige was man als Flucht bezeichnen kann, denn alle anderen Themen die in der Familie ein Problem darstellen, oder die auch nur einen einzelnen betreffen, vor denen kann man nicht fliehen. Ganz im Gegenteil, hier kommen sie doppelt und dreifach zum Vorschein und man ist nochmal mehr damit konfrontiert Dinge aufzuarbeiten und an sich selber zu arbeiten oder auch zu merken was so richtig gut und stimmig läuft und was man einfach weiter ausbauen möchte. Wir haben für uns auf jeden Fall gemerkt, dass wir als Familie ziemlich gut harmonieren und finden immer mehr zu uns. In jedem Fall ist diese Flucht nicht einfach eine Flucht – sondern die Möglichkeit für mehr Selbstbestimmung und auch mehr Eigenverantwortung.

Zusammen Dinge erleben und die Welt erkunden. Manchmal nicht leicht mit so vielen verschiedenen Charaktären, aber doch immer wieder so bereischernd

 

Liebe Grüße

Sissy

10 Gedanken zu „Kein richtiges Leben?

  • März 3, 2017 um 7:24 am
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    Hallo,
    Danke für diesen Beitrag!

    Dieses „mal raus“ und für eine bestimmte Zeit (1Jahr?) auf Reise gehen könnte ich mir gut vorstellen – wird aber hier nicht machbar sein und das ist völlig okay (denn das Schulsystem funktioniert hier, wir haben hier unseren Platz gefunden).

    Was ich mich bei längeren Reisen (oder gar das ständige herumreisen) Frage ist wirklich zum einen wie finanziert man das? Wir könnten es mit unseren Berufen nicht… Zum anderen was wenn die Kinder keine Lust mehr haben? Wenn es den Kindern zu viel wird? Wenn sie später so ein Leben nicht leben möchten? Vielleicht können Sie dann 1,2 Sprachen ein wenig, aber sie haben keinen Abschluss und diesen zB mit 18 noch nachzuholen ist sicher nicht einfach (weil bisher frei gelernt und gelebt wurde, weil sie das „eingliedern“ und das System Schule so ja gar nicht kennen).
    Ich will das überhaupt nicht mies reden und wenn es gerade für euch das Beste ist freut mich das, aber wie sieht die Zukunft (gerade für die Kinder aus)?

    Soll eure Homebase denn dann auch im Ausland sein?

    Lieben Gruß, Kathrin

    Antwort
    • August 30, 2017 um 7:26 pm
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      Hallo Kathrin,
      Wir haben Jobs mit denen das einfach möglich. Mein Mann arbeitet weltweit und ich möchte später online arbeiten. Die Richtung geht ja auch in der Psychologie immer mehr den Weg zur Onlineberatung und das wäre etwas, was ich mir richtig gut vorstellen kann.
      Wenn unsere Kinder keine Lust mehr haben, dann werden wir eine Lösung finden. Wir streben eh eine homebase im Ausland an und momentan ist so das 50/50 Modell an Reisen und homenbase unser Plan.
      Auch die Eingliederung in eine Schulsystem ist nicht unbedingt nötig und einen Abschluss nachzuholen auch nicht so schwer wie man sich das vorstellt. Ich habe mein Studium z.b. komplett als Fernstudium von zu Hause gemacht. Es gibt mittlerweile so viele Freilerner, die das mit super Leistungen geschafft haben. Unsere Kinder lernen ja trotzdem und viel effektiver, daher sehe ich das nicht als Problem. Wenn beim Kind der Wille und die Motivation vorhanden ist, wird es den Abschluss auch schaffen. Außederdem waren ja 3 meiner Kinder in der Schule und kennen das System. Wir haben zum Beispiel immer Lehrmittel aus dem jeweiligen Schuljahr und darin arbeiten die Kinder aich, eben nur in eigenen Tempo und zu ihren Zeiten und oft auch mit Bezug zu unserem Alltag.
      Und auch wenn es jetzt vielleicht etwas doof klingt, aber eine Schule zu besuchen ist ja auch noch lange keine Garantie für ein tollen Leben mit schönem, gutbezahltem Job hinterher.
      Liebe Grüße
      Sissy

      Antwort
  • März 3, 2017 um 8:57 am
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    Hallo Sissy! Ich finde es hört sich alles recht aufregend und interessant an nur finde ich ab dem Zeitpunkt wo die Kinder älter werden haben die Eltern nicht mehr das Recht ihnen ihr Leben aufzuzwingen. Du entlässt sie ins Leben als Vagabund ohne gefestigte Regeln, die nicht immer Zwänge sein müssen. Ich habe selber zwei Kinder die studieren und sich pudelwohl in ihrem sozialen Umfeld fühlen. Wie soll ich als Unternehmer deine Kinder beschäftigen? Einer geregelten Arbeit werden sie ja in Zukunft mal nachgehen müssen, oder sehe ich das falsch. Und da bin ich schon beim nächsten Thema bei dem es mir bei all deinen schönen Berichten immer ein wenig sauer aufstößt! Du lehnst viele soziale Systeme bei uns in Österreich ab, fliehst davor – doch nie finde ich eine Erwähnung ob du auch die Familienbeihilfe ablehnst. Ich finde dein ganzes Verhältnis zu unserer Gesellschaftsform ein wenig, gestatte mir den Ausdruck, egoistisch.
    Ich weiß nicht ob du meinen Kommentar löschen wirst oder kommentieren. Ich habe mit vielen Bekannten über euch gesprochen. Natürlich gibt es überall geteilte Meinungen.
    Ich wünsche dir und deinen Lieben einen schönen Tag und liebe Grüße aus Österreich
    Renate

    Antwort
    • August 30, 2017 um 7:18 pm
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      Liebe Renate,
      natürlich wird dein Kommentar nicht gelöscht, denn auch Kritik soll hier einen Platz haben. Ich glaube das Eltern streng genommen immer ihren Kinden einen Weg aufzwingen. Der brave katholische Österreischer tut das wahrscheinlich noch viel mehr als wir das tun, denn unsere Kinder haben ganz getreu unserer Einstellung ein gleiches Stimmrecht wie wir. Das heißt sie wollen so leben und wir zwingen ihnen das nicht auf. Wir haben mit 4 Monaten Vietnam einen Versuch unternommen und unsere Kinder wollten nicht zurück in die Schule, sondern weiter frei lernen. Ich empfinde es auch nicht so, als würde ich meine Kinder in ein Leben ohne Regeln entlassen, denn auch im Zusammenleben in einer großen Familie gibt es Regeln. Durch das Reisen und die fremden Kulturen lernen unsere Kinder ebenfalls Regeln kennen. Der Weg zur Universität steht unseren Kinder dennoch offen, denn jeder Schulabschluss lässt sich nachholen und viele Freilerner haben bisher bewiesen, dass sie das mit großartigen Leistungen gemeistert haben. Und nein einem geregelten 9-5 Job muss man nicht nachgehen um sein Leben zu finanzieren. Da gibt es auch ganz viele andere Möglichkeiten und ich gebe meinen Kindern die Möglichkeit diese kennenzulernen. Ich lehne die Systeme auch nicht ab, sondern sage lediglich, dass sie für uns nicht passen. Und da wir als Deutsche in Östterreich ohne festen Wohnsitz und Job hier gar keinen Anspruch auf irgendwelche Leistungen haben, dürfte das deine Frage auch beantworten. Dennoch sehe ich es nicht wie du, dass ich nicht Kritik an einem System üben darf, wenn ich eine Leistung in Anspruch nehme, denn kritisch und offen für neu Ideen sollte man meiner Meinung immer bleiben. Oder findest du alles in Österreich 100% richtig und toll?
      Liebe Grüße
      Sissy

      Antwort
  • März 12, 2017 um 2:29 pm
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    Hi ihr Weltenbummler,

    grübel nicht unnötig über Kommentare von erschreckten Schafen. Ihr macht das große Klasse und eure Kinder lernen und entwickeln so viel mehr.
    Natürlich darf es auch eine Flucht sein. Eine Flucht, heraus aus dem grauen und tristen Leben eines folgsamen Bürgers…
    Und bei einigen Bürgern löst das natürlich Unbehagen und auch Verärgerung aus . Es könnte schließlich das Gefühl bei ihnen aufkommen, dass ihr Leben, der Alltag, das tägliche Hamsterrad NICHT halb so schön ist, wie eingeredet…
    Wer flüchtet, sucht immer das Leben. Wer erstarrt stehen bleibt, hat jeden Mut verloren.
    Macht weiter so und laßt euch von euren und den Bedürfnissen eurer Kinder leiten!
    Ganz liebe Grüße von einer anderen Familie „on tour“ mit sieben Kindern
    (wir tourenden sind mehr, als man denkt )
    Und für später mal gesellschaftlich gehobene Bildungsabschlüsse (hochwertiger, als deutsche Abiture) schreib mich gerne an.
    xx Kinga

    Antwort
    • August 30, 2017 um 7:05 pm
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      Oh schön, dass ihr den Weg auch mit 7 Kindern geht, das werden wir ja auch bald tun 😀 Deine Worte sind so wahr und wir lassen uns auch nicht davon beirren. Dennoch ist auch Kritik mal ganz gut um sich selbst du reflektieren, aber wir sind uns unserer Sache sicher, denn wir sehen ja auch an den Kindern, dass es sich richtig anfühlt und ihnen gut tut. Auf die Abschlüsse komme ich sicher noch einmal zurück. Lg Sissy

      Antwort
  • Pingback: Bloglieblinge März 2017

  • April 4, 2017 um 7:09 am
    Permalink

    Liebe Sissy,
    ich finde es ganz wunderbar das ihr diesen Weg geht und für mich ist es auch keine Flucht. Ich sehe eine Familie die auf der Suche nach etwas „Neuem“ ist. Eine Familie die nicht Fremdbestimmt leben möchte. Menschen die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und etwas tolles daraus machen. Immer wieder gerne lese ich deinen Blog und freue mich über Bilder von eurer Reise. Auch wir als Familie sind gerade im Umbruch. Noch nicht so weit wie ihr, da ich noch Überzeugungsarbeit bei meinem Mann leisten muss. Zu sehr prägt ihn noch das alte und gewohnte Verhaltensmuster…doch wir sind auf einem guten Weg.
    Liebe Grüße und jetzt einmal eine schöne Zeit in Österreich!
    Sylvia

    Antwort
    • August 30, 2017 um 7:02 pm
      Permalink

      Vielen Dank liebe Sylvia, ich hoffe ihr findet auch euren Weg, denn deine Worte treffen genau unseree Intention 😀

      Antwort
  • August 30, 2017 um 8:30 pm
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    Ι am ѕure this post has touched all the internet users, its гeally really nice post օn building up new blog.

    Antwort

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