Geburt mit Kindern

Geburt mit Kindern

Neulich habe ich eine Diskussion unter (zukünftigen)  Kollegen bei Facebook verfolgt, die sich genau mit diesem Thema beschäftigte und ich war wirklich sehr traurig über die geltende Meinung da. Fast 80% waren total dagegen und argumentierte mit Schäden die die Geschwisterkinder davon tragen würden. Wen wundert es, dass diese 80% noch nie ein Kind bekommen haben? Die restlichen 20% waren eher kritisch, doch gestanden zumindest zu, dass es nicht mit Schäden einhergehen muss, da es eben auch 3-4 Frauen gab (auch ich) die genau vom Gegenteil berichteten. Das sich aus dem Beisein der Geschwisterkinder ein Vorteil ergibt, war aber dennoch quasi ausgeschlossen.

Nun bietet die psychologische Forschung zu diesem Thema kaum Ergebnisse, was wohl darauf hindeutet, dass dieses Thema für die Psychologie nicht sonderlich wichtig erscheint. Immer wieder staune ich darüber, dass diese Thema in der Forschungsliteratur nur wenig Beachtung finden, da es doch, vor allem unter den Hausgeburtsmamas keine Seltenheit ist.

Auch ich habe unsere jüngste Tochter im Beisein unserer anderen 5 Kinder auf die Welt gebracht und kann nur sagen, dass ich das durchweg positiv erlebt habe. Wir haben uns mit  dem Thema einige Zeit auseinandergesetzt, angestoßen durch den Wunsch von Alessandro, der so gern die Nabelschnur durchschneiden wollte. Unsere Hebamme hat uns immer Mut dazu gemacht, sie habe es immer als positiv erlebt wenn die Geschwisterkinder dabei waren. Wir haben unsere Kinder also immer mal wieder drauf vorbereitet, mit Gesprächen über den Ablauf und auch ein paar Bildern. Wir haben uns bis zum Schluss nicht festgelegt, schon deswegen nicht, weil man ja nie vorher weis, was auf einen zukommt. Auch ich hatte immer wieder Zweifel, ob es nicht doch negative Folgen für die Kinder haben könnte. Da die Kinder in der Schule erzählt haben, dass sie dabei sein wollen, war ich teilweise auch im Umfeld großer Ungläubigkeit, ja teilweise sogar Entsetzem ausgesetzt. Aber es gab da aber auch ein paar ganz wenige, die das richtig gut fanden. Die größte Sorge hatte ich selbst allerdings davor, ob mich die Kinder nicht zu sehr ablenken würden. Als dann die Wehen anfingen, tat sich ja einige Zeit gar nix, ich war mir dennoch sicher,  dass unsere Prinzessin sich auf den Weg machen würde. Meine Kinder kamen die ganze Zeit immer mal wieder nach mir kucken und waren dann wieder beim Spielen.

Später bin ich dann mit der Hebamme ins Schlafzimmer gegangen und kurz darauf kamen dann die Wehen, die unsere Prinzessin auf die Welt bringen sollten. Mein Mann und auch die Kinder kamen hinzu. Ich kann mich noch erinnern, dass meine Hebamme zu den Kindern sagten: „Jetzt kommt das Baby gleich heraus“ und alle gespannt in der Tür stehen blieben. Mich persönlich haben die Kinder wider Erwarten gar nicht gestört, die Kinder waren ziemlich aufgeregt und die Hebamme hat ihnen ihre Fragen beantwortet. Ich war in den letzten Minuten ganz bei mir und Elena und da ich unter der Geburt eigentlich keine Schmerzen verspüre, war die Stimmung auch ganz gelassen und die Kinder haben diese Situation überhaupt nicht als bedrohlich empfunden. Der einzige kleine Schreckensmoment war, dass Elena etwas blau war, damit hatten die Kinder so wohl nicht gerechnet, aber das hatte meine Hebamme auch gleich gut erklärt und die Kinder waren wieder beruhigt. Auch das Auspulsieren der Nabelschnur haben sich die Kinder ganz genau angesehen und waren total fasziniert davon. Nie werde ich diese leuchtenden Augen vergessen, diese ersten sanften Berührungen mit der das neue Geschwisterchen begrüßt wurde. Als wir Alessandro dann die Schere gaben, war er aber nicht mehr dafür zu beigeistern und den Job hat dann der Papa übernommen 😉  Die Geburt der Plazenta haben die Kinder dann allerdings nicht gesehen, da hat meine Hebamme sie kurz „etwas holen“DSC02157

geschickt. Aber nachher haben sie sie mit untersuchen dürfen und später haben wir sie dann im Garten vergraben und einen Baum darauf gepflanzt.

Ich war im Nachhinein sehr dankbar und glücklich darüber, dass die Kinder dabei waren. Sie haben gesehen, dass eine Geburt zwar anstrengend ist und Mama sich danach ausruhen muss, aber das es überhaupt nix Schlimmes ist. Ich glaube auch, dass dieser Moment in dem das Geschwisterchen kommt und die Kinder es direkt miterleben ein ganz anderes Begreifen möglich machen. Eng damit verbunden sind natürlich die Vorteile der Hausgeburt. Mama ist immer da ist und so erleben sich die Geschwister auch von Anfang als Teil der neuen Situation und wachsen ganz anders hinein. Ich habe es immer als sehr lieb empfunden, wenn eins meiner Kinder dann zu mir ins Schlafzimmer kam und sich das kleine Baby anschauten oder mir eine Schüssel Erdbeeren oder was zum Trinken brachten. Mich hat es auch überhaupt nicht gestört, wenn eins der Kinder sich noch mit ins Bett gekuschelt hat. Auch hat es meiner Erholung keinen Abbruch getan, wenn wir im Bett ein Spiel gemacht haben. Wenn ein Kind leise hereinkam und sah das ich schlief, kam es einfach später wieder. Keinen dieser wundervollen Momente hätte ich erlebt, wäre ich für 3-4 Tage im Krankenhaus gewesen. Falls wie also noch einmal ein Kind bekommen werden, dann würde ich meinen Kindern auf jeden Fall wieder die Wahl lassen, dabei sein zu dürfen.

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Sicher wird in erster Linie ein Kind geboren, aber ebenso wird eine Familie neu geboren. Die alten Strukturen ändern sich wenn ein neuer kleiner Mensch dazukommt und alle müssen sich wieder neu einfinden. Wenn wir diesen Moment und diese ersten Stunden als Familie teilen, dann wachsen wir alle gemeinsam daran und auch wenn viele Vorurteile über diese Form der Geburt existieren, kann ich für uns nur sagen, dass sich nicht eines bestätigt hat. Ganz im Gegenteil, meine Kinder haben sehr viel Verständnis und Einfühlungsvermögen gezeigt und von Eifersuchtsattacken fehlte jede Spur. Wir können also nur jeden dazu ermutigen, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen.

Wenn wir heute manchmal mit anderen Eltern oder Schwangeren reden und im Zusammenhang mit der Geburt das Wort Krankenhaus fällt, dann sind meine Kinder immer ganz erstaunt. Auch dafür hat sich unser Weg gelohnt. Meine Kinder haben die Geburt als etwas Schönes und ganz Natürliches erleben dürfen. Nix vor dem man Angst haben muss oder was eines Krankenhauses bedarf und ich bin mir sicher, dass diese Erfahrung unsere Kinder geprägt hat. Sicher wissen sie auch, dass es manchmal die Hife eines Arztes brauch und das dafür ein Krankenhaus auch wichtig ist, aber es ist eben kein Muss.

Liebe Grüße

Sissy

Falls jemand ebenfalls eine Geburt mit Kindern erlebt hat, dann freue ich mich sehr über einen Bericht von Dir. Vielleicht können wir eine kleine Blogreihe starten und anderen Frauen und Familien Mut machen für eine selbstbestimmte Geburt. Ich würde mich sehr darüber freuen und dann in einer eigenen Rubrik gern DEINE Erfahrungen teilen. Schreib mir einfach eine Mail oder eine pn bei Facebook oder Instagram